Ich hätte wahrscheinlich ohne Brutkasten nicht überlebt.
Fast mein ganzes Leben habe ich nicht an die Zeit im Brutkasten gedacht.
Warum auch? Ich habe zwar viele Eigenheiten – Atemprobleme, Kontaktpanik, ich mag es nicht wenn mir kalt ist, ich muß beim Schlafen die Wand angreifen – aber ich hätte nicht gedacht das die was mit der „relativ kurzen“ Zeit im Brutkasten zu tun haben.
Über die IOPT bin ich erst auf die Idee gekommen, daß es sich hier um eines meiner großen Themen handelt und eine Kollegin hat mich darauf hingewiesen, das es bei ihr viele viele Arbeiten gebraucht hat, um das alles zu verstehen und die kleinen Anteile zu beruhigen. Dafür bin ich ihr sehr dankbar aber auch dafür, daß sie mich auf das Buch: „Frühgeborene – zu klein zum Leben“ von Dr. med Marina Marcovich aufmerksam gemacht hat.
Dieses Buch hat mir die Augen geöffnet. Hier kann man ein Gefühl bekommen über das ganze Ausmaß der Maßnahmen, die wir Brutkastenkinder überstehen mußten.
Warum müssen Kinder das alles aushalten? Für ein paar Daten?
Manche Kinder, so wie ich, haben das überlebt und sind trotz all der Hindernisse mitten im Leben. Wir kennen die unendliche Einsamkeit, die Todesangst die in unserem Herzen eingefrohren ist. Wir konnten das nur durch viele viele Spaltungen und mächtige Überlebensstrategien überleben. Wir kennen die Schlaflosigkeit mit der wir uns jeden Tag aufs Neue wieder ins Bett legen und hoffen doch etwas schlafen zu können. Wir kennen die Müdigkeit, die sich genau dann einstellt wenn wir wieder erwacht sind und aufstehen sollten.
Warst du auch überrascht wie viele Menschen im Laufe Deines Lebens dir so oft schreckliche Dinge angetan haben? Das Schwierige für so kleine, zu früh geborene Menschenkinder ist, dass all diese Interventionen im Krankenhaus durch fremde Menschen extrem bedrohlich waren, obwohl sie uns das Leben gerettet haben. Aber alles was wir bisher kannten, war das Innere unserer Mutter, dem wir jäh entrissen wurden. Und diese Mama ist plötzlich nicht mehr bei uns, wir spüren sie nicht, hören nicht ihre Stimme und riechen nicht ihren Geruch. Wir brauchen aber in diesem Alter nichts mehr dringlicher als die Nähe und Fürsorge unserer Mutter.
Die gute Nachricht ist, dass ich mit Hilfe der IOPT immer näher an diese fast vergessenen Anteile in meiner Psyche herankomme.
Ich kann jetzt meistens recht bald einschlafen, mein Herz kommt immer mehr zur Ruhe, die Dauerpanik wurde unterbrochen, also mit einfachen Worten es wird Selbstbegegnung für Selbstbegegnung immer besser – die Methode wirkt bei mir.
Denkanstöße für Frühgeborene
- Kannst du dir Geborgenheit vorstellen?
- Hast du auch große Sehnsucht nach Nähe, aber auch gleichzeitig Panik, die das nicht zuläßt?
- Wie ist dein Verhältnis zu Computern, Telephonen oder anderen technischen Geräten?
- Wie fühlt sich dein Herz an?
- Bist du in Beziehung zu anderen Menschen oft verwirrt?
- Verstehst du oft nicht warum sich andere Menschen anders verhalten, als du dir das im Inneren vorstellst?